Januar

Eine Übung in ästhetischer, hochhumoriger und gigageistiger Kritik

Thema: Eternals

Wer diesen Film noch sehen möchte, sollte sich vorsehen: Hier werden Details verraten…

Nun, was sich über den halbwegs neuen Marvel-Film „Eternals“ sagen lässt, ist, dass er ziemlich langweilig und bierernst daherkommt. Wobei bierernst ein sehr seltsamer, gar widersprüchlicher Begriff ist, denn es gibt wohl keinen einzigen Menschen auf diesem Planeten, bei dem Bier und Ernsthaftigkeit Hand in Hand gehen würden, außer vielleicht…nein, da fällt mir niemand ein. Selbst die biedere Angela Merkel verlöre jegliche Hemmung bei einem tiefen Schluck Köstritzer Schwarzplörre und gar der schlimme, von jeglicher Freude und anscheinend auch moralischen Standards befreite Papstus Benedikt juchzte über seine Schuld hinweg, tränke er ein kotziges Becks (ein besseres Bier hätte er auch nicht verdient). Prinzipiell ist ja die Idee, einen langweiligen und bierernsten Film zu machen, gar nicht so schlecht. Ein derartiger Film könnte dazu dienen, die Zuschauer*in durch inhaltliche Ödnis so lange leiden zu lassen, bis diese vor Schmerz schreiend erwacht, aus ihrer narkotischen Existenz und endlich irgendetwas höherem zustreben möchte – wie es sich für ein wertvolles menschliches Wesen eben nun mal gehört! „Eternals“ schafft dies allerdings nicht. Dieser Film ist lediglich langweilig. Und stilleswasserernst. Ja, das ist der richtige Begriff. Man sollte sich den Film nicht ansehen, wenn man einen guten Film sehen will, so viel ist klar. Man sollte sich den Film jedoch auch nicht ansehen, wenn man sich zur Feier das Tages einfach nur abstumpfend in sich selbst hineinfallen lassen möchte, denn dann kann man sich auch irgendeinen anderen seichten Sci-Fi-Mumpitz reinziehen, z.B. irgendetwas mit Chris Pratt (mit oder ohne Dinosaurier). Wenn man allerdings Fan des MCUs ist, muss man sich den Film ansehen, da führt kein Weg vorbei, man ist inhaltlich gezwungen, wenn man beim nächsten Discord-Date mit dem Fortnite-Clan auch beim Smalltalk punkten möchte. Die größte Schwäche des Films ist wahrscheinlich das übersatte Pathos, denn hier geht es nicht um einzelne kleine Superheld*innen und deren alltägliche Pickelprobleme, sondern um die ganz großen Zusammenhänge (sogar noch größer als die Finanzkrise), die Entstehung der Menschheit, des Universums, der Pausensnacks, die man braucht, um zumindest durch das Knacken einer Nuss im eigenen Speichel- und Malmapparat sich irgendwie selbst zu spüren, während das alles vor sich hinplätschert. Pausensnacks werden jedoch tatsächlich nicht explizit thematisiert, weshalb es sich dabei durchaus um eine tiefere Bedeutungsebene eines doch vielschichtigen Kunstwerkes handeln könnte. Leider ist die Entstehungsgeschichte von allem so unterkomplex, dass man sich die ganze Zeit fragt, ob da noch etwas kommt oder irgendjemand mal widerspricht, aber das passiert einfach nicht. Dementsprechend funktioniert auch das Pathos nicht – wie ergriffen soll man denn auch sein, wenn einem so eine abgelutschte Götter-Androiden-Geschichte vorgesetzt wird, die geradezu danach schreit (eigentlich marvelesk) selbstironisch kommentiert zu werden. Ich versuche die Story kurz zusammenzufassen: die „Celestials“ (irgendwelche Götter) bauen Planeten und Sterne und anderes Gedöns zusammen, diese schweben also den ganzen Tag im All herum und lassen Planeten aus ihren Händen plumpsen, wie es Götter eben so machen. Götter sind eben auch nur Maschinen auf einer höheren Abstraktionsebene. Nun ist es so, dass „Celestials“ anscheinend in Planeten geboren werden, indem sie sich von der Energie intelligenten Lebens ernähren. Damit sich intelligentes Leben auf einem Planeten entwickeln kann, schufen die „Celestials“ die „Deviants“, die diesen Prozess gewährleisten sollten [Urzeitkreaturen vernichten und so, bla, damit friedliche Zivilisation entstehen können – das passierte also tatsächlich mit den Dinosauriern], diese entwickelten sich jedoch zu Superbestien und wollten dann lieber ein kleines IT-Unternehmen gründen, um IPods zu bauen. Halt! Das war ein anderer Film. Also entwickelten die „Celestials“ eine zweite Spezies, die stattdessen die Aufgabe der Planetenvorbereitung erfüllen und in diesem Zusammenhang auch die Superbestien ausrotten sollte, die „Eternals“…gähn…gleich schlaf ich ein. Dass Schöpfung so ein simples Unterfangen ist, wusste man auch vorher. Welcher Hobygott war nicht schon in der Situation immer weitere Spezies erschaffen zu müssen, um eine Kolleg*in zu gebären? Letztlich soll auf der Erde so ein „Celestial“ geboren werden, wodurch diese droht zerstört zu werden [die „Celestials“ sind nämlich sehr groß und schlüpfen ohne Rücksicht auf Verluste]. Die „Eternals“ mögen aber die Menschen eigentlich irgendwie und wenden sich letztlich gegen ihre eigenen Schöpfer, streiten aber auch untereinander, ob das jetzt angemessen ist oder auch irgendwie total die Hybris und alle sprechen wie Sozialpädagog*innen aus den 80ern oder zumindest bilde ich mir das gerade ein, und dann ist das alles viel unspannender als jedwede andere mythologische Erzählung, die es vorher bereits gab. Abgesehen davon, dass mal die Avengers erwähnt werden, hat das alles auch nicht superviel Bezug zum MCU (bis auf den Schluss natürlich). Einen Pluspunkt gibt es allerdings: im Trailer sieht es ein wenig so aus als würde Angelina Jolie [wofür sie ja mittlerweile bekannt und ein bisschen unerträglich geworden ist] alles lässig und locker weghauen und nur milde dabei grinsen – wie es der Habitus des halbdebilen Actionstars eben erfordert. Jedoch stellt sich erfreulicherweise heraus, dass sie stattdessen 2 Stunden lang sehr verwirrt an einer kosmischen Version des grauen Stars leidet und somit weder hohe Redeanteile hat, noch fremdschämige Debilgrinsmomente darstellen muss – dieses Konzept könnte sich auch für andere Stars eignen, die ein wenig unerträglich geworden sind, und stellt das einzig originelle, ja vielleicht sogar avantgardistische Moment der sonst superkonventionellen Filmerzählung dar. Bleibt abschließend zu sagen: Wer Angelina Jolie mag, sollte sich dann vielleicht doch lieber Tomb Raider angucken, bis das abgestumpfte Selbst zerschellend am Boden der eigenen Existenz zu hören ist.


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