Eine Übung in ästhetischer, hochhumoriger und gigageistiger Kritik

Thema im November: Kartoffelsalat

Kartoffelsalat ist ein nicht leichtfertig zu beurteilender Gegenstand. Ganz im Gegensatz zu Fahrrädern mit viel zu dicken Reifen – sogenannten „Fatbikes“.

Hier ein Beweisfoto:

Mögen diese [Fatbikes] für versierte Wald-, Matsch- und Gebirge-Radler so etwas darstellen wie für einen Verdurstenden ein halbes Glas Spreewaldquelle mit mittelmäßig Kohlensäure, sind diese für einen Menschen, der keine GoPro besitzt und diese auch nicht braucht und niemals brauchen wird, und der nur gute Dinge sich vorstellend, vor sich hin pfeifend auf dem Bürgersteig flaniert, ein Dorn, ein Stachel, ein Ast, ein Baumstamm, zumindest ein Eiffelturm im ästhetischen Auge – wie sollte es auch anders ein. Diese Fahrräder sehen so widersinnig aus, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als den Kopf so lange zu schütteln und zwar grimmig und mit aller kleinbürgerlichen Wut, bis dieser abfällt und lustig kullernd davonrollt. Dabei ist es ja völlig in Ordnung, Wahrnehmungskategorien und ästhetische Gewohnheiten in Frage zu stellen. Dafür gibt es Kunst oder Thomas Gottschalk (unfreiwillig). Bei diesem Auswuchs psychopathologischer Ingenieurskunst hingegen führt die entstehende Irritierung nicht zu einem Überdenken der Realität und dem Zugewinn neuer Perspektiven, sondern zu der hartnäckigen, alles in Frage stellenden Frage: Warum? Wieso denkt sich jemand so etwas aus? Wie ist das vor einem notwendigen Tribunal augengescholtener Bürger zu rechtfertigen, außer durch eine Funktionalität (Radsport im Gelände), die eigentlich kein Mensch braucht? Aber da sind wir wieder beim alten Problem: Die Frage, ob es etwas tatsächlich braucht, ist in menschlichen Angelegenheiten unsinnig, gar unvernünftig to begin with. Denn wenn etwas möglich ist, dann wird es irgendwann gemacht – zumindest, wenn man die Menschheit als Gesamtes und nicht als popeliges Subjekt in den Blick nimmt, das Jahrzehntelang über die Frage nachgrübeln kann, ob es wirklich sinnvoll ist, sich ein zweites Set Topflappen zu „gönnen“, da das ursprüngliche zwar Brandlöcher in Kontinentalflächengröße aufweist, aber „schon noch gut ist, eigentlich.“ Apropos schüttelnde Köpfe: Angeblich kann man mit diesen Fatbikes, ob ihrer total krassen Gelände-Swaginess, über Menschenköpfe drüberfahren, als handele es sich dabei um reife Pflaumen und das mag ja in Ausnahmesituationen auch ein sinnvolles Vorhaben sein. Warum jedoch nie sportbewandete Geländejunkies auf diesen SUVs für Menschen, die im Sommer maximal 10 Minuten einfach auf einem Stuhl sitzen können, zu sehen sind, sondern stets zwielichtig wirkende 28-Jährige mit zu weiten Hosen und falsch herum aufgesetzten Baseballmützen und das im Stadtverkehr, das kann sich die Wissenschaft noch nicht vollständig erklären. Kartoffelsalat im Gegensatz – das kann man heutzutage zumindest sicher sagen – ist je nach Machart lecker, weniger lecker oder fürchterlich wie Fatbikes.


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