#Showyourworkprocess: Gedicht über Kindertage

Vor ca. 24 Stunden hatte ich mich entschieden, an einer Lyrik-Ausschreibung zum Thema „Unbeschwerte Kindertage“ (hier, falls jemand ebenfalls mitmachen möchte: https://www.sternenblick.org/lyrikpreis2022/) teilzunehmen und begann natürlich – wie es sich gehört – sofort mit der Arbeit. Ich bin noch etwas ratlos über die Richtung des Gedichtes, inwiefern ich Kindertage tatsächlich als unbeschwert darstellen (und damit potentiell in die klebrigen Finger der Nostalgie geraten) möchte oder vielleicht doch versuche, deren Abseitigkeiten mit einzubeziehen, präsent oder zumindest spürbar zu machen. Nachdem der erste Impuls verklungen ist, stellt sich nun Arbeit ein, es wird zäher, die Worte und Bilder kommen nicht mehr so einfach, vor allem, weil das bereits Geschriebene eine Richtung vorgibt (Inhalt als auch Form). Da ich euch stets gerne alles (also nicht alles alles, aber manches alles) zeigen möchte, verfahre ich mit dem Gedicht hier ebenfalls so, folgend also die bisherigen Verse:

Platsch das Beckenwasser
Peng die silbernen Pistolen
Erinnerung – ein Aderlasser
aufheulende Plastiktraktoren
in den Gräben fressen die Raben
jeden 2. Knaben
während die Mädchen die Helikopterrotoren am Kirschbaum hochfahren

Gänseblümchen die schönsten Farben
schlagen mit geflügelten Klingen
Tagpfauenaugen und fleischige Narben
den Ausländerjungen niederringen
in den Gräben fressen die Knaben
jeden 2. Kandidaten
während die Mädchen die blutigen Knie besingen

Meine Reflexionen dazu:

  1. Ich störe mich gerade an der „Genderteilung“ der Protagonisten in Mädchen und Knaben. Zu den Knaben kam ich lediglich, da ich die Raben aus dem alten Kinder-Reiter-Lied mit dabeihaben wollte, da dieses Lied eine relativ prägende Erinnerung meiner Kindheit ist und nun auch einen Neustart in der Kindheit meiner Tochter erfährt (ohne, dass ich dies angestoßen hätte, der Impuls kam aus anderen Regionen des Familiensystems). Nun muss ich mir allerdings Gedanken machen, was ich über Geschlechterrollen sagen möchte – eine Zwickmühle, da ich hierzu entweder Stereotypes verlautbaren könnte (relativ klassische Geschlechterrollen, Jungs -> Autos, Mädchen -> Puppen), was wiederum unanregend ist, aber der Zeit entspricht, weshalb es mein erster Impuls war, die Mädchen Helikopterrotoren bedienen zu lassen (die Spannung entsteht ja hier durch den Bruch mit den klassischen Geschlechterrollen, wie sie in meiner Jugend zu erwarten gewesen wären und gleichsam spielten natürlich auch die Mädchen beim Helikopterfliegen mit, das heißt, auch damals gab es eine gewisse Flexibilität, wenn auch überhaupt kein Bewusstsein für Geschlechterrollen). In der zweiten Strophe dann, wo ich versuche doch eine gewisse Abseitigkeit sichtbar zu machen (den Ausländerjungen niederringen), also den damals noch versteckteren und weniger thematisierten Rassismus, der sich auch schon auf dem Spielplatz zeigte, katapultiere ich die Mädchen doch wieder in eine furchtbare Genderstereotypie: das besingen der auf dem Schlachtfeld verletzten Jungen/Männer. Ich finde dieses Klischee so schrecklich, dass ich es wahrscheinlich wieder entfernen werde, allerdings könnte dies als Kritik dieser Rollen verstanden werden, was meinem Anliegen eher dienlich wäre, doch fehlt es hier glaube ich noch etwas an Deutlichkeit.
  2. Zu Rhythmus und Struktur habe ich noch wenig Ideen, diese ergeben sich gerade. Es soll reimend werden, so viel weiß ich, aber in welcher Form, wo noch Brüche entstehen sollten, etc. daran möchte ich noch keinen Gedanken verschwenden. Gleichsam enge ich dadurch natürlich mein Spielfeld ein, jeder Reim, jeder halbwegs gelungene Vers, gibt eine Richtung vor. Vielleicht verwerfe ich ab einem gewissen Punkt auch noch einmal, wer weiß. Zunächst werde ich jedoch erstmal an der intuitiv entstandenen Struktur weiterarbeiten, jedoch auch noch einmal Sätze „kommen lassen“, die ich dazu stimmig finde, die jedoch nicht in die Struktur passen müssen, ich bin gespannt, ob mich das weiterbringt.
  3. Natürlich fehlt noch ein nette Hookline, bisher fiel mir nur das ein…

Besser war alles früher
Schlechter ist alles später
das einzige Gesetz, das es gibt:
desto schlechter wirds je later

Ich mag den Reim „later“ auf „später“, aber sowas kann ästhetisch auch schnell nach hinten losgehen und klingt hier teilweise etwas albern, weshalb hier noch einmal Nachdenken angezeigt ist.

Soweit erstmal. Wenn ihr Tipps oder Anregungen für mich habt – sehr gerne. Falls nicht: viel Spaß beim Zuschauen.

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