#Musiktheorie: Die Dust-Bowl-Progression

Eine der sweetesten Akkordfolgen, die mir in letzter Zeit über den Weg gelaufen war, ist die folgende Progression aus dem Mumford and Sons Song „Dust Bowl Dance“ (das komplette Lied ist hier zu hören):

IV (Mollparallele) – IV (Subodminante) – V (Dominante) – I (Tonika) – II (Supertonika) – IV (Mollparallele) – II (Supertonika) – III (Mediante)

Die Akkordfolge ist etwas länger, wiederholt sich dafür durchgehend im Song und erzeugt – trotz der Repetition – eine feine musikalische Spannung, hier zunächst meine Interpretation der Progression (Vorsicht: Am Ende wird es etwas laut und hoch – Trommelfeldbissgefahr):

Um die wunderbare Spannung innerhalb der Progression sichtbar zu machen, wie immer eine Grafik. Zur Übersichtlichkeit habe ich die Progression zweigeteilt:

Teil I – abfallend

Zu Beginn fallen wir erst ein wenig auf die spannungssteigernde Subdominante herab, steigen kurz darauf eine Stufe auf die Dominante empor, bis wir schließlich auf die wohlklingende Tonika (Dreiklang aus dem ersten Akkord der Tonleiter) herunterrauschen und wir dadurch melodisch in der Tonart „ankommen“. Ihr erinnert euch: Dies ist die melodische Struktur der einfachen Kadenz, lediglich von einem anderen Startpunkt aus.

Einfache Kadenz: I – IV – V – I

Teil I – Dust-Bowl-Progression: VI – IV – V – I

Der Unterschied: Die einfache Kadenz besteht nur aus Dur-Akkorden und klingt daher supersweet und fröhlich und optimistisch, während die Dust-Bowl-Progression mit einem Moll-Akkord beginnt und daher etwas Düsteres anklingen lässt. Die Akkordsubstitution* von Tonika (I) und Mollparallele (VI) ist nachvollziehbar und in der Komposition nichts ungewöhnliches, denn: I und VI sind 1. Grades akkordverwandt (das heißt sie teilen sich zwei Töne). In diesem Fall haben wir als Tonika (I) den Akkord:

D# – Dis Dur – [bestehend aus den Tönen: D# – G – A#]

und als Mollparallele (VI) den Akkord

Cm – C Moll – [bestehend aus den Tönen: C – D# – G].

Identisch sind also die Töne D# und G. Cool!

Teil II – bouncy

Nachdem wir in der Tonart angekommen sind, dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen. Der zweite Teil der Progression weist eine gewisse „bounciness“ auf, bedingt durch den „höhenmäßig“ starken Wechsel von Supertonika (II) auf die Mollparalle (IV). Hier könnte man noch eine Weile herumbouncen, denn es ist ein wohklingender Abstand. Die musikalisch notwendige Variation wird dann jedoch mit dem Abschluss auf der Mediante (III) herbeigeführt, die dadurch einen Fortschritt in der Harmonie anzeigt und gleichsam den Weg für den erneuten Beginn der Progression ebnet, denn die Mollparallele (IV) schließt sich an die Mediante (III) natürlich (das heißt erwartungsgemäß wohlklingen) an.

Die aufmerksamen Nerds unter euch werden vielleicht auch bemerkt haben, dass ich die Progression eine Tonart Tiefer (D – Dur) gespielt habe. Das war kein Trick, ich habe lediglich den „Capo“-Vermerk im Chord-Sheet übersehen (wer nicht weiß, was das bedeutet, kann mich gerne kontaktieren :)).

So viel aber zur Dust-Bowl-Progression. Viel Spaß damit (sie ist wunderbar) und bist zum nächsten Mal!

*Akkordsubstitution: In einer Tonart lassen sich Akkorde aufgrund ihrer Verwandtschaft (das heißt sie besitzen gemeinsame Töne) austauschen. Musikalisch sinnvoll ist dies bei einer Verwandtschaft 1. Grades, also wenn sich Akkorde zwei Töne teilen. Dadurch bleibt die musikalische Grundposition des Akkordes erhalten, die Klangfarbe wird jedoch durchaus merklich verändert.

5 Kommentare zu „#Musiktheorie: Die Dust-Bowl-Progression

  1. Spannend und danke! Schöner Song, sowieso! Wobei ich persönlich jetzt etwas andere funktionsharmonische Deutungen hätte, unter anderem, weil ich c-Moll als Grundtonart ausmache.

    Wo dann c-Moll Tonika, As-Dur Subdominantparallele, B-Dur die Dominantparallele, Es-Dur die Tonikaparallele, f-Moll die Subdominantparallele und G-Dur die Dominante wären. C-Moll ist ja schon der Angelpunkt des Ganzen, auf den auch G-Dur als Dominante immer wieder hinführt und auch f-Moll als vorgeschaltete Subdominante doch eigentlich eine durchaus klassische Kadenz vorbereitet. Ich zumindest habe die zarte, bescheidene Einschätzung, dass das Ganze funktionsharmonisch gar keine so großen Kapriolen mit Supertonika und Co. schlägt.

    Liebe Grüße 🙂

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    1. Dann hier nochmal. Danke für den versierten Kommentar, des macht Spaß! 🙂 Ich stimme zu, es ist wahrscheinlich sinnvoll C-Moll als Tonart zu setzen, da dieser Akkord schon ziemlich dominant ist. Das wären ja dann in Stufen ausgedrückt: Cmoll (I) – As-Dur (VI) – B-Dur (VII) – Es-Dur (III) – Fmoll (IV) – Gdur (V) und genau die Kadenz dann am Schluss angezeigt. Mit Parallelfunktionen bin ich noch nicht so bewandert, aber müsste F-Moll hier nicht einfach die Subdominante sein und nicht die Subdominantenparallele?
      Auf jeden Fall danke nochmal und gerne wieder reinschauen und deine Interpretation zum Besten geben – das finde ich ebenfalls spannend!

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  2. F-Moll ist die Subdominante, genau. Da hab ich mich einmal verschrieben. 🙂

    Kleiner weiterer Hinweis, wenn Du Dich reinfuchst, achte auf die Vorzeichen: Bei C-Moll etwa hast Du drei „B“s, also B, Es, As. Somit hat man da aber eigentlich keine „Kreuz“-Akkorde, sprich kein Dis (sondern Es), kein Gis (sondern As) usw.. Klingt gleich, nennt man nur der Logik folgend anders. 🙂

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    1. Oh ja, bei den Akkorden mache ich es mir (noch) zu leicht, aber ja, von tieferer Beschäftigung verspreche ich mir auch mehr Genauigkeit in der Bezeichnung :).

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