#Musiktheorie: Jusqu’au bout des cils – Camélia Jordana

Zunächst einmal gilt es, dieses schöne Lied Camélia Jordanas zu empfehlen. Es hat einen sehr netten, unaufgeregten Groove, eine Instrumentalisierung mit grandiosem Timing (und leicht verzögerten Akkordwechseln – spannend), einen zauberhaften Text und zwei musikalische Höhepunkte [die ich später noch näher darstellen möchte]. Hier zunächst jedoch das offizielle Video zur Einstimmung:

Natürlich besitzt Cameliá Jordana eine wunderbare Stimme, die sich an die melodischen Grenzen des Songs hält und mit dem Arrangement einhergehend auch eine gewisse Lässigkeit ausstrahlt. Die Strophe „bounced“ vor sich hin und wagt lediglich einen kleinen harmonischen Ausflug. Mehr zu der Akkordprogression der Strophe, hier:

Hier habe ich noch einmal versucht, die Akkordbewegung visuell darzustellen (ich finde das manchmal ganz hilfreich, um den Groove eines Songs nachzuvollziehen, bzw. auch um herauszufinden, ob sich die innere Bewegung, die man beim Hören eines Liedes spürt, mit der musiktheoretisch darstellbaren tatsächlichen Bewegung des Songs deckt):

Auf der linken Seite sind die Akkordstufen zu sehen, also die Dreiklänge der jeweiligen Töne der Tonleiter

Dann fiel mir noch eine total (jaja) witzige Song-Ähnlichkeit ein, die ich euch natürlich ebenfalls noch aufzeichnen musste:

Der Text ist: französisch. Das lässt sich eindeutig feststellen. Leider ist mein Französisch sehr schlecht (un jean = eine Jeans), daher habe ich den Text mal von der Google-Übersetzungs-Bestie begutachten lassen und das Ergebnis ist folgendes (an manchen Stellen gar allerliebst):

[Verse 1]
Tes yeux me font la vie des rêves cotonneux au salut de la nuit
[Deine Augen geben mir Leben von flauschigen Träumen bis zur Rettung der Nacht]
L’enfer droit comme un lit
[Hölle gerade wie ein Bett]
Tous les jours tu ries des danses langoureuses
[Jeden Tag lachst du träge Tänze]
Parce qu’elles t’amusent comme des filles amoureuses
[Weil sie dich amüsieren wie verliebte Mädchen]

[Chorus]
Tu m’as corrompu jusqu’au bout des cils
[Du hast mich bis zum Ende meiner Wimpern verdorben]
La saison défile, les racines en vue
[Die Saison vergeht, die Wurzeln in Sicht]
Ce ton là me plaît si l’hiver n’est plus
[Ich mag diesen Ton, wenn der Winter vorbei ist]
Ce ton là me plaît, ici l’hiver s’est tu
[Dieser Ton gefällt mir, hier ist der Winter still]

[Verse 2]
Nonchalamment tu files des caresses aux rancunes
[Beiläufig spinnen Sie Liebkosungen zum Groll]
Tu dis des mots fragiles, un peu comme je les fume
[Du sagst zerbrechliche Worte, ein bisschen wie ich sie rauche]
Avec des airs gamins, tu parles un eu plus fort
[Mit Kinderliedern sprichst du lauter]
Alors j’oublie encore, demain, j’oublie demain
[Also vergesse ich wieder, morgen, ich vergesse morgen]

Rest = Wiederholung des Refrains…

Hoffentlich liegt hier keine Google-Fehlübersetzung vor, denn bei Versen wie „Jeden Tag lachst du träge Tänze„, „Du hast mich bis zum Ende meiner Wimpern verdorben“ oder „Du sagst zerbrechliche Worte, ein bisschen wie ich sie rauche“ kann ich mich nur fragen: wie brillant ist das denn bitte? Da sieht das deutsche Songwriting im Vergleich dann doch ein bisschen trist aus. Falls ein*e Lesende*r französisch sprechen sollte, bitte melden, ob die Übersetzung das Original korrekt abbildet. Tolle Lyrics!

Der schönste musikalische Part des Songs befindet sich m.E. dann jedoch im Refrain, dessen melodische Schönheit ich in diesem kleinen Video zu erklären versuche:

Es ist einfach so: die Terz geht ans Herz, ob man will oder nicht. Für mich, der entscheidende Punkt, der diesen Song besonders macht. Auch hier noch einmal zur visuellen Nachvollziehung die Grafik der harmonischen Bewegung:

Kennzeichnung der melodischen Treffpunkte „Sweet Terz“ (geht ans Herz) und „Quinte“

Alles in allem also ein wirklich schönes Lied mit einem famos lyrischen Text, der einen aus den verstaubten deutschen Lyrik-Lese-Socken haut mit einer ganz besonderen Harmonie im Refrain. Viel Spaß dabei!!!

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